Telefonwerbung – Wirksamer Schutz verhindert.

Mit den Stimmen der großen Koalition und der FDP hat das Parlament den umstrittenen Regierungsvorstoß zum besseren Schutz der Verbraucher gegen unerwünschte Werbeanrufe mit kleinen Änderungen am Donnerstag, 26.3.2009 abgesegnet.
Details auf   http://www.heise.de/newsticker/Bundestag-verabschiedet-Gesetzesentwurf-gegen-unerwuenschte-Telefonwerbung–/meldung/135254
Gesetzentwurf   >> http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/107/1610734.pdf

Trotz der Verbesserungen: Generelles Widerrufsrecht, Bußgeldandrohungen wurde ein wirksamer Schutz im Gesetzentwurf verhindert. Die maximal möglichen Bußgelder klingen eindrucksvoll, aber wie wirksam sind sie? Die bisherige Möglichkeit Ordnungsgelder bis zu 250.000 €  zu verhängen, scheiterte bereits in juristisch aufwändigen Verfahren bei der Klärung ob ein verbotener Werbeanruf vorlag, laut Bericht (2007) des BM der Justiz. Trotz Verbot allein im letzten Jahr Millionen unerwünschte Werbeanrufe. Auch das neue Gesetz von Schwarz-Rot und FDP verhindert nicht, dass auch bei verbotenen Werbeanrufen solche Verträge gültig sind. Dabei gibt es eine wirksame Lösung die auch alten Menschen helfen würde, die besonders hilflos den ausgeklügelten Telefontricks (Wirtschaftswoche vom 6.12.08: Wie ausgebuffte Callcenter…) ausgeliefert sind. Ganz ohne komplizierte Abwehr durch aufwändige juristische Verfahren:
Verträge aufgrund telefonischer Anrufe sind nur nach schriftlicher Bestätigung der Angerufenen gültig.
Diese einfache und überaus wirksame Schutzmöglichkeit wurde im Gesetz, von CDU/CSU, SPD und FDP verabschiedet, mit wenig überzeugenden Begründungen ausgeschlossen. Ein Gesetz offensichtlich im Dienste der Wirtschaft.

Wie ausgebuffte Callcenter-Mitarbeiter ahnungslose Kunden austricksen 06.12.2008
„Schönen guten Tag, Herr Müller, Henrik Klein mein Name, ich rufe an im Auftrag der Lottogesellschaft. Herr Müller, Sie sind ja noch bis Jahresende bei uns als Lottospieler registriert, und ich wollte nachfragen, ob Sie Ihr Abo verlängern möchten.“ Fast alles, was der überraschte Herr Müller bisher gehört hat, ist gelogen – nur sein Name stimmt. Henrik Klein heißt in Wahrheit anders, ist Schüler und jobbt in einem Callcenter in Düsseldorf. Müller hat auch kein Lotto-Abo, das am Jahresende auslaufen könnte – er hat vermutlich noch nie so ein Abo gehabt. Möglich allerdings, dass er irgendwann mal Online-Lotto gespielt oder ein Los der Süd- oder Norddeutschen Klassenlotterie gekauft und über Bankeinzug bezahlt hat. Vielleicht ist Müller auch Telekom- oder Kabel-Deutschland-Kunde oder hat gerade seinen Stromanbieter gewechselt.
Müller gehört zu jenen Millionen von Deutschen, deren Kundendaten dank lascher Kontrollen abgegriffen werden konnten, dann auf dem Schwarzmarkt landeten und seitdem immer wieder an kriminelle Geschäftemacher verhökert werden. Interessant ist darum, wie das Gespräch weitergehen könnte: „Sie wollen das Abo nicht verlängern – gut Herr Müller, kein Problem, dann mach ich Ihnen gleich die Kündigungsunterlagen fertig, wir müssen nur noch Ihre Bankverbindung überprüfen.“ Vermutlich ist Herr Müller nun beruhigt – wenn ihm der freundliche junge Mann dann Kontonummer, Geldinstitut und Bankleitzahl vorliest, wird er die Angaben mit „Ja“ bestätigen. Sollte das wider Erwarten nicht passieren, gibt es eine Variante – der junge Mann täuscht technische Probleme vor: „Herr Müller, die Leitung war gerade gestört, ich konnte Sie nicht hören, verstehen Sie mich jetzt wieder?“ Der Trick gelingt fast immer: Spätestens jetzt wird Herr Müller „Ja“ sagen.
Und hat damit schon verloren: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird wenig später der Beitrag für das angeblich noch bis Jahresende laufende Lotto-Abo von seinem Konto abgebucht – der Bank reicht die Versicherung, der Kontoinhaber habe der Abbuchung mündlich zugestimmt. Müller muss zudem damit rechnen, dass die Abzockerei auch in Zukunft munter weitergeht: Entweder, dass immer mal wieder etwas von seinem Konto abgebucht wird. Oder, dass in ein paar Wochen ein anderer freundlicher junger Mann anruft, ihm die gleichen Fragen stellt, ihm wieder verspricht das Abo zu kündigen – und ihn wieder übers Ohr haut.
Zur Quelle:
http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/wie-ausgebuffte-callcenter-mitarbeiter-ahnungslose-kunden-austricksen-380268/

Besserer Schutz vor Telefon-Werbung?  30. Juli 2008
Täglich werden unzählige Verbraucher auf Festnetz oder Handy mit Werbeanrufen genervt. Wer nicht aufpasst, an der falschen Stelle Ja sagt oder seine Bankdaten preisgibt, kann eine böse Überraschung erleben. Plötzlich ist er Abonnent einer Tierzeitschrift, hat einen neuen Handy-Vertrag oder den Stromanbieter gewechselt. Den schwarzen Schafen der Branche will jetzt die Bundesregierung das Handwerk legen. Das Kabinett beschloss am Mittwoch (30. Juli) in Berlin einen Gesetzentwurf von Justizministerin Brigitte Zypries (SPD).
Das Gewerbe der «Anrufzentren» boomt. Der Jahresumsatz der Branche wird auf zwölf Milliarden Euro geschätzt – mit stark steigender Tendenz. Nach Angaben des Call Center Forums Deutschland (CCF) arbeiten in rund 5700 Firmen rund 435 000 Beschäftigte.
«In den Call Centern, die sich ausbreiten wie eine Seuche, werden Leute zu Betrügern ausgebildet», kritisiert Wallraff nun. Die Mitarbeiter würden systematisch angewiesen, Verbraucher zu täuschen. «Es wird sehr stark über Telefondrücker gearbeitet. Den Leuten werden Dinge angedreht, die sie nicht brauchen oder die ihnen schaden.» Die Meinungsforscher von forsa ermittelten im vorigen Herbst, dass 86 Prozent der Deutschen sich durch Werbeanrufe belästigt fühlen. Die Konsumforscher der GfK gehen von jährlich über 300 Millionen unaufgeforderten Anrufen aus.
Doch nicht nur die Angerufenen leiden unter dem «Telefonterror». Schichtdienst, Leistungsdruck und schlechtes Gewissen hinterlassen bei vielen Mitarbeitern ihre Spuren. Fast jeder dritte Call-Center- Beschäftigte wurde nach Angaben der Techniker Krankenkasse 2006 wegen einer «psychischen Störung» ambulant behandelt.
Den Bundesländern ist das Gesetz nicht scharf genug. Sie wollen eine schriftliche Betätigung – per Brief, Fax oder Mail – für alle Telefon-Geschäfte einführen. Zypries lehnt das ab, weil das auch für jede Pizza-Bestellung gelten müsse oder den Versandhandel erschwere. Verbraucherschützer halten das für unsinnig. Schließlich sei es ein gehöriger Unterschied, ob man am Telefon überrumpelt werde oder selber zum Hörer greife, um ein Abendessen zu ordern.
Zur Quelle:
http://www.anwaltseiten24.de/rechtsgebiete/recht-allgemein/news/news/besserer-schutz-vor-telefon-werbung.html

Bericht des Bundesministeriums der Justiz zum Thema unerwünschte Werbeanrufe – „cold calling” -vom 26. Juni 2007
http://www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/pdfs/BerichtColdCalling.pdf?__blob=publicationFile

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1 Kommentar zu Telefonwerbung – Wirksamer Schutz verhindert.

  1. knut schreibt:

    Unerlaubte Telefonwerbung
    Unerbetene Werbeanrufe, die häufig mit einem untergeschobenen Vertrag enden, sind weiterhin ein Dauerthema in der Verbraucherberatung. Das Gesetz zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung jährt sich am kommenden Samstag zum dritten Mal, ohne das es Wirkung zeigt. Die Verbraucherzentralen führen noch bis zum 16. September eine Umfrage zu unerlaubter Telefonwerbung durch.
    Mal gaukeln sie einen Gewinn vor, ein anderes Mal geben sie sich als Datenschützer oder sogar Verbraucherschützer aus. Am Ende steht immer der Versuch, dem Angerufenen einen kostenpflichtigen Vertrag unterzuschieben. Mit dem Verbot solcher unerwünschten Anrufe sollte dem Einhalt geboten werden, doch die Erfahrung aus der Beratung der Verbraucherzentralen zeigt, dass diese Regelung keine Wirkung zeigt. Im Gegenteil: Die Maschen der Abzocker werden immer dreister. Mit gefälschter Telefonnummer und Namen von echten Institutionen oder Phantasieeinrichtungen werden die Angerufenen überrumpelt. Seit nunmehr drei Jahren besteht das Gesetz zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung, Verstöße können sogar mit einem Bußgeld geahndet werden. Doch wie sollen die Anrufer ausfindig gemacht werden, solange die richtigen Namen verschwiegen und falsche Rufnummern eingeblendet werden? „Am Telefon abgeschlossene Verträge sollten nur nach schriftlicher Bestätigung gültig sein“, fordert Dunja Richter, Juristin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Damit wäre diesen Betrügern schnell das Handwerk gelegt.“ Verbraucherzentralen fordern daher seit Jahren die sogenannte „Bestätigungslösung“.

    Pressemitteilung aktualisiert am 24.10.2012
    Quelle: Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V.
    http://www.verbraucherportal-bw.de/servlet/PB/menu/2925396_l1/index.html

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